Sonntag, 21. August 2016

Tag 19-20: Feierlicher Abschluss

Nun denn, da ist es schon wieder vorbei - aber das war ein ganz starkes Abschlusswochenende. Neben dem Bronzespiel unserer Handballer und dem anschließenden Finale feierten wir am Samstagabend zum ersten Mal in unserer Olympiageschichte im deutschen Haus. Und trafen die geballte deutsche Sportprominenz...

Der Samstagvormittag begann mit Mountainbike: wider Erwarten war die Strecke richtig gut besucht, was wohl auch den günstigen Ticketpreisen (40 Real) geschuldet war. Aber so war die Stimmung sehr gut, jede Athletin wurde am Ende bejubelt; einige klatschten gar mit den Fans am Streckenrand ab. Auch weil man sich auf dem Gelände frei bewegen konnte und den 6 km langen Rundkurs an acht Stellen kreuzen konnte geriet diese Session sehr kurzweilig.

Danach begaben wir uns dann Dank unserem Kumpel und Tippgeber Micha und Krombacher ins Deutsche Haus am Strand von Barra. Gutes Essen, starke Drinks und viele Sportler wie Funktionäre erwarteten uns dort. Einer der ersten vor Ort war DHB-Präsident Michelmann, später trudelten die Kanuten ein, die Fußballer und Fussballerinnen waren da. Die sehr sympathische deutsche Frauen-Sprintstaffel unterhielt sich eine Weile mit uns und Eike Onnen erzählte, er wolle bis 2018 weitermachen. Die brasilianische Belegschaft interessierte sich dann sehr für das Fussball-Finale, und mit dem Speerwurfgold hatten dann alle was zu feiern. Es wurde getanzt, gefeiert und gelacht; Handballmoderatorin Anett Sattler, die dort durch den Abend führte und aus Rangsdorf stammt, fühlte sich neben uns ganz heimisch. Aber bei allem Lob für die Veranstaltung muss man festhalten, dass es sehr schade ist, dass der "normale" Fan nur gegen eine Zahlung von 400 Euro oder mit etwas Glück wie wir dort hineinkommt. Wenigstens eine Fanzone wäre eine gute Sache.

Heute ging es dann in aller Früh noch etwas müde zum Handball-Bronzematch. Mit gefühlt letzter Kraft jubelten wir die BadBoys zu Bronze, die obligatorischen Fotos gab es auch noch. Und jetzt grad feiern die Franzosen hier während des Finals eine große Party, mal sehen wie es ausgeht. Wir freuen uns auf jeden Fall auch schon auf die Siegerehrung nachher.
Heute werden dann noch die Koffer gepackt, morgen früh um 10 geht es dann wieder Richtung Heimat, die wir Dienstag Nachmittag erreichen. Wir freuen uns schon auf Zuhause, bis bald! Und vielen Dank für den großen Zuspruch an die fleissigen Leser :)
















Freitag, 19. August 2016

Tag 17-18: Bolt-Show und gemischte Gefühle

Heute sind wir einfach nur traurig. Aufholjagd, Narcisse, Bumm. Aber so ist der Sport - und wie die deutschen Handballer gegen Frankreich im Halbfinale trotz 7-Tore-Rückstandes alles in die Waagschale geworfen haben, war aller Ehren wert. Die deutschen Fans, wenn auch in der Unterzahl gegen die fanatischen Franzosen, ebenso. Und dann sind wir doch nicht mehr ganz so traurig und freuen uns auf das Spiel um Platz 3 ..

Ich schreibe diesen Text gerade in der Schlange vor dem Handball- Halbfinalspiel Dänemark gegen Polen. Niemand will hier Tickets, alle sind versorgt, und so freuen wir uns auf ein spannendes Halbfinale. Kein Wunder, dass der Schwarzmarkt nicht funktioniert, wenn die Brasilianer wie letztens beim Viertelfinale ihre Karten gar verschenken ;)

Heute Vormittag waren wir übrigens beim Taekwondo. Gelinde gesagt war wohl selbst das ereignislose Fußballspiel letztens spannender, aber wenigstens mal wieder eine neue Erfahrung. Die Stimmung war trotz des Fehlens brasilianischer Sportler recht gut - mal sehen, ob die Dänen beim Handball gleich wieder eine Polonaise starten und die Bude abbrennen.

Gestern waren wir übrigens mit deutschen Hoffnungen in das Leichtathletikstadion gepilgert, aber mögen wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens über die Leistungen der Speerwerferinnen und Kugelstoßer hüllen. Sehr stark hingegen Zehnkämpfer Kazmirek, auch wenn die Fans auf den Tribünen alle nur auf Bolt warteten. Der brannte dann nicht das ganz große Feuerwerk ab, aber genug, um das Stadion in Ekstase zu versetzen. Schade, die Leichtathletik braucht mehr solche Typen. Die Stimmung insgesamt verbesserungswürdig im Olympiastadion, beim ISTAF ist mehr los.

Gestern Vormittag besuchten wir noch das Künstlerviertel Santa Teresa mit wunderschön gestalteten Mosaiktreppen und einem grandiosen Ausblick auf die Bucht, in der gerade die Segelwettbewerbe stattfinden. Also wieder auf der "Make-Up-Seite". Anschließend schoss Benni in der U-Bahn sein 'Daily Photo' - diesmal mit Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel, die auf seine Bitte erst etwas irritiert "Du kennst mich doch gar nicht" antwortete. Kannte er aber doch, weswegen das Album weiter ausgebaut wurde.

Morgen könnten wir übrigens im Teaser zum Fußball-Endspiel Deutschland gegen Brasilien in der ARD enthalten sein, ein Journalist fragte uns drei nach dem Halbfinale bestens gelaunten Handball-Fans tatsächlich nach einem 7:1-Schlachtruf. Aber das können wir ja dann aus dem deutschen Haus beim ersten Mal vernünftigen Olympiaprogramm im TV sehen (ja, schätzt euch glücklich mit ARD/ZDF, hier ist alles noch viel schlimmer :P). Vormittags geht es zum Mountainbike-Rennen bei hoffentlich nicht 30 Grad im Schatten. Bis dann, auf ins Schlusswochenende!









Mittwoch, 17. August 2016

Tag 15-16: Gute Stimmung, schlechte Stimmung

Gestern und heute waren wieder Sporttage für uns in Rio: zunächst feierten wir die deutschen Hockeyspieler trotz 0:5-Rückstandes gegen Argentinien im Halbfinale immerhin noch zu einem 2:5, während uns heute die Handball-Viertelfinals viel Freude bereiteten.

Während uns freie Platzwahl im Hockeystadion die Blockbildung erleichterte, sangen sich die vielen Argentinier im Stadion schon ein. Überragende Stimmung von beiden Seiten waren der Lohn, am Ende ging uns das "Sooooool Argentina Largooooo" aber gar nicht mehr aus dem Ohr. Völlig verdienter Sieg der Gauchos, obwohl die Deutschen trotz des hohen Rückstandes weiter anfeuerten. Anschliessend sahen wir den Sieg der Belgier gegen Holland im zweiten Halbfinale, auch die roten Teufel sangen das Stadion in Grund und Boden. Sehr sportliche, faire Anfeuerungen beim Hockey. Auch wenn DOSB-Boss Hörmann zwinkernd meinte, wir alle hätten "heute wohl nicht laut genug gebrüllt".

Anders hingegen beim Handball am Mittwoch: nach den Vorkommnissen der Vortage um die Buhrufe der Brasilianer gegen Stabhochspringer Lavillenie setzten die brasilianischen Anhänger ihre recht eigenwillige Auslegung von Fairness auch beim Handball fort. Wir waren wohl zum ersten Mal in unserem Leben für die Franzosen, die bei jedem Versuch der Schlachtrufe eigener Fans gnaden- und grundlos ausgebuht wurden. Eine brasilianische Zeitung schrieb gar "Das ist unsere Party, wir können buhen wann wir wollen"...Als der Sieg Frankreichs feststand, zeigten die Brasilianer hingegen, dass es auch anders geht und feuerten ihr Team noch einmal in ohrenbetäubender Lautstärke an. Nochmal klargestellt: Das Problem waren nicht unbedingt die Pfiffe gegen Frankreich, sondern dass das der Weg der Brasilianer war, die Anfeuerungen Frankreichs im Keim zu ersticken. Kann man auf jeden Fall besser mit dem "oleeeeoleeeoleeeoleeeoleeeeolaaaa" oder so.

Das Highlight heute war natürlich der Kantersieg Deutschlands gegen Katar, Benni wurde seinem Ruf als Schnappschussjäger wieder einmal gerecht und heimste einige Fotos ein. Und der deutsche Fanblock wird auch immer besser...das kann noch ein starker Ausklang werden! Morgen geht es erstmal zur Leichtathletik, hoffentlich stechen unsere Wurf-Trümpfe und die Brasilianer übertreiben es nicht mit ihrem Bolt-Rummel ;)
Freitag geht es dann wieder zum Handball, Ehe wir Samstag Dank der großartigen Unterstützung von DOSB-Partner Krombacher sogar zum ersten Mal das Deutsche Haus betreten und die Medaillengewinner ganz offiziell feiern dürfen. Schon einmal danke dafür und bis Freitag zum nächsten kleinen Artikel!













Montag, 15. August 2016

Tag 13-14: Rio ohne Make-Up

Am Sonntag führte uns unser Weg abseits vom olympischen Glanz in eine der Favelas. Eine in der Siedlung lebende Deutsche führte uns und zwei weitere Gäste durch das Armenviertel. Um dem Vorwurf des "Armentourismus" gleich einmal entgegenzutreten: Diese spezielle Favela ist eine Art Freilichtmuseum, überall sind Graffitis an den Hauswänden angemalt und der Bewohnerverein wünscht sich sogar Touristen - und das aus einem einfachen Grund...

Wir erfuhren nämlich, dass die Stadt Rio de Janeiro am liebsten alle Favelabewohner aus der Stadt haben wollte. Offiziell existieren in der direkt hinter der Prachtstränden Ipanema und Copacabana befindlichen Siedlung nichtmal die Straßen, die es ja augenscheinlich gibt; selbst Google Maps zeigt nur einen weissen Fleck. In dieser Favela, die wir besuchten, leben Arbeiter - Leute, die bei uns wohl zur unteren Mittelschicht zählen würden und in Brasilien trotzdem von einem Mindestgehalt (ca 300 Euro bei 6-Tage-Woche) leben müssen. Wie auch in Deutschland zurzeit der Fall kamen viele Leute vom Land in die Stadt, nur der Wohnraum ist Mangelware. Also bauten die Neuankömmlinge an Berghängen und bildeten so die Silhouette des "hässlichen" Rios.

Zusammengefasst also muss man sagen, dass dort ganz normale Leute unter ziemlich schlechten Umständen leben. Keine auffällige Spur von Kriminalität oder den "bösen Favelas", wie in den Medien gerne hochstilisiert - das war die Quintessenz aus unserem Besuch. Tagelange Stromausfälle, ein offenes Abwassersystem und Kot der freilaufenden Hunde auf den Straßen - in Deutschland wäre das in dieser Häufung zumindest undenkbar. Und trotzdem begegneten uns die Menschen dort sehr herzlich und Schienen sich regelrecht zu freuen, dass sich jemand für ihre Wohngegend mit den hübschen Graffitis interessiert.

Leider wird Olympia - wie auch zuvor in Athen oder Peking - nicht allzu viel zu den offenen Baustellen in der austragenden Stadt beitragen können. Wenigstens einen Aufzug für den Müll haben die Favelabewohner seit der Fussball-WM, seitdem FIFA und IOC gewisse Druckpunkte angesetzt haben. Ich hoffe, gerade angesichts der Bilder aus diesem Lebensraum, dass die Menschheit einen Weg finden wird, die Kluft zwischen Arm und Reich kleiner werden zu lassen.

Am Montag traten wir dann wieder auf die andere Seite des Vorhangs in den Olympischen Glanz - zum ersten Mal stand Handball auf dem Programm. Nach dem Spiel der Polen gegen Slowenien enterten wir den Block unserer Landesnachbarn und wurden für die gute Stimmung am Ende mit einigen Sekunden im Fernsehen und einem Foto mit Kai Häfner belohnt. Zwar zeigten die Brasilianer zum ersten Mal mangelnde Gastfreundschaft und pfiffen unsere Mannschaft ohne offensichtlichen Grund sogar aus, aber mehrere hundert Deutsche sorgten in der Arena für hörbare Unterstützung.

Anschließend nahmen wir den Weg zum Zuckerhut auf uns, um diesen mit der Seilbahn zu erklimmen. Leider kamen viele andere auf die gleiche Idee (kein Wunder bei 200000 Touristen in der Stadt), aber die Aussicht über Rio + Bucht bei Sonnenuntergang entschädigte uns für das Gedränge. Morgen werden wir unsere Hockeyherren im Halbfinale unterstützen, ehe Mittwoch dann der Handball-Viertelfinaltag auf dem Plan steht. Mehr dazu dann Mittwoch!